1,4 Mio. € jährlich sparen durch besseres Onboarding im Gesundheitswesen. Warum Preboarding und Onboarding zum strategischen C-Level-Thema werden.
- Michael Sommer
- 21. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Onboarding ist im Gesundheitswesen einer der größten unterschätzten Kostenhebel.

Während der Fokus häufig auf Recruiting liegt, entscheidet sich der wirtschaftliche Erfolg neuer Mitarbeitender erst nach der Vertragsunterschrift.
Kliniken und Pflegeeinrichtungen verlieren jährlich erhebliche Summen durch Frühfluktuation, langsame Einarbeitung und ineffiziente Prozesse. Gleichzeitig bietet genau dieser Bereich enormes Einsparpotenzial – oft im siebenstelligen Bereich.
Warum ist Preboarding und Onboarding im Gesundheitswesen so kritisch?
Beleuchten wir dazu: Was passiert nach der Unterschrift? Viele Einrichtungen investieren stark in die Gewinnung neuer Pflegekräfte und Fachkräfte – aber zu wenig in deren erfolgreiche Integration - gleichzeitig eine enorme Chance zur Kostensenkung.
Die Folgen eines suboptimalen Preboardings- und Onboardings:
Hohe Frühfluktuation in den ersten 6–12 Monaten
Lange Time-to-Productivity
Überlastung bestehender Teams
Steigende Krankheitsquoten
Qualitätsverluste in der Versorgung
Das eigentliche Risiko beginnt also nicht beim Recruiting – sondern danach.
Beispielrechnung: Einsparpotenzial durch besseres Onboarding
Nehmen wir eine Klinik oder ein Trägernetzwerk mit rund 700 Neueinstellungen pro Jahr – verteilt auf Pflege, Funktionsdienste, Verwaltung und ärztliche Bereiche.
Laut Bundesagentur für Arbeit und der Gewerkschaft ver.di liegt die jährliche Fluktuation im Gesundheitswesen zwischen 17 % und 25 % – mit Schwerpunkt auf den ersten 6–12 Monaten.
Rechenbeispiel:
Anzahl Neueinstellungen p. a. 700 Personen
Annahme Fluktuation (17% - 20%) 119 - 140 Personen
Das entspricht:
119 bis 140 Abgängen pro Jahr
Direkte und indirekte Kosten pro Frühabgang:
Recruiting & Administration
Einarbeitung & Schulung
Produktivitätsverlust
Mehrarbeit im Team
👉 Bereits kleine Verbesserungen im Onboarding führen zu Einsparungen im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich.

Wo entstehen die größten Kosten im Onboarding?
Der größte Hebel liegt nicht in den direkten Kosten – sondern in den indirekten Effekten:
Überstunden und Mehrarbeit im Team
Stress, Burnout und steigende Krankenquote
Qualitätsverluste in der Patientenversorgung
Produktivitätsverluste durch langsame Einarbeitung
Frühfluktuation und erneute Besetzungszyklen
Zusätzlich entstehen Effekte, die schwer messbar sind:
Verlust an Arbeitgeberattraktivität
Negative Mundpropaganda im Arbeitsmarkt
Sinkende Mitarbeiterzufriedenheit
Ganz wesentliche Anteile am Potential Kosten zu reduzieren liegen in den Sekundären Kosten und in der time-to-productivity
Das sind Überstunden & Mehrarbeit in den Abteilungen, Qualitätsverluste, Stress Burnout und erhöhte Krankenquote in den Teams und Produktivitätsverlust durch Frühfluktuation.
Dazu kommen noch Imagegewinn als Arbeitgeber und als Einrichtung. Diese sind in den Zahlen noch nicht berücksichtigt.
Die Negativspirale im Onboarding – wie schlechte Erfahrungen schlechte Erfahrungen erzeugen
Ein typisches Szenario aus der Praxis. In einer Einrichtung mit hoher Fluktuation berichten Pflegekräfte:
„Warum soll ich mich um die neue Kollegin kümmern? In vier Wochen ist sie wahrscheinlich ohnehin wieder weg.“
Gleichzeitig erleben neue Mitarbeitende:
Keine klare Struktur
Keine feste Ansprechperson
Kaum Integration ins Team
Die Folge:
Rückzug
Frustration
Frühzeitige Kündigung
Diese Feedbackschleife verstärkt sich, wenn strukturelle Ursachen nicht angegangen werden. Und sie kostet – nicht nur finanziell, sondern auch kulturell.
Diese Dynamik verstärkt sich selbst – und wird zu einem strukturellen Problem.
Neue Mitarbeitende wiederum spüren die Zurückhaltung im Team – kein strukturiertes Onboarding, keine feste Bezugsperson, keine echte Willkommenskultur. Sie ziehen sich zurück oder geben frühzeitig auf.
Ergebnis: Die Einrichtung verliert Menschen – und Vertrauen.
Die Lösung: Eine professionelle „New Hire Experience“
Ein strukturiertes Preboarding und Onboarding reduziert Fluktuation messbar und verbessert die Mitarbeiterbindung nachhaltig.
Zentrale Effekte:
Schnellere Produktivität neuer Mitarbeitender
Entlastung von Führungskräften und Teams
Höhere Zufriedenheit und Bindung
Stabilere Abläufe im Alltag
Es verschafft Orientierung, reduziert Friktionen, entlastet HR und Führungskräfte und stabilisiert Teams.
Die 7 C’s des erfolgreichen Onboardings
Die international anerkannte HR-Forscherin Prof. Talya Bauer beschreibt diesen Prozess anhand der 4 C’s des Onboardings:
Grundlagen (4 C’s)
Compliance – Regeln, Verträge, Formalitäten
Clarification – Rollen, Aufgaben, Erwartungen
Culture – Werte und Zusammenarbeit
Connection – Beziehungen im Team
Erweiterung (7 C’s)
Confidence – Sicherheit im Job gewinnen
Checkback – Regelmäßiges Feedback
Continuity – Onboarding als kontinuierlicher Prozess
Fazit: Warum ist Onboarding ist kein HR-Thema – sondern ein strategischer Hebel?
Onboarding ist kein reines HR-Thema – sondern ein zentraler wirtschaftlicher Erfolgsfaktor im Gesundheitswesen.
Wer Frühfluktuation reduziert und Mitarbeitende schneller integriert:
senkt Kosten signifikant
stabilisiert Teams
verbessert die Versorgungsqualität
👉 Eine gute New-Hire-Experience spart nicht nur Geld – sie sichert langfristig die Leistungsfähigkeit der gesamten Organisation.
Angesichts leerer Kassen und hoher Belastung im Gesundheitswesen können sich Einrichtungen eine Frühfluktuation von 20 % nicht mehr leisten. Wer Onboarding heute richtig denkt, schafft strukturelle Entlastung, bindet Personal nachhaltig – und spart dabei nachweislich Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich.
Gute New-Hire-Experience spart Geld, stabilisiert die Versorgung – und stärkt Ihre Arbeitgebermarke von innen.



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